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"Über Geld spricht man"

 Interview Presse 11/2021

Wie ist es im Steinbusiness aufzuwachsen? 

Für mich fühlt es sich normal an. Jeder bekommt durch seine Eltern mit, für welche Leidenschaften es sich zu arbeiten lohnt. Väterlicherseits waren fast alle Vorfahren im Steinbusiness, mütterlicherseits Ärzte, Bäcker, Industrielle, Künstler. Ich bin in einem Umfeld von Unternehmern aufgewachsen und das hat mich inspiriert, eigenverantwortlich zu denken.
Als Kind war es für mich spannend nach Carrara mitfahren zu dürfen und auf den Steinblöcken herum zu klettern. In den 1980ern war Forte dei Marmi ein toller Ort. Tagsüber waren wir im Steinbruch und bei den Sägereien, den Nachmittag am Lido, um den Steinstaub loszuwerden. 

 

Wo haben Sie Ihr erstes Geld verdient? 

Während der Ferien habe ich in unserem Steinmetzbetrieb mitgearbeitet. Für mich war es immer selbstverständlich, das unentgeltlich zu machen, zumal ich damals sicher noch keine große Hilfe war. Einen Sommer habe ich bei einer Freundin im Sportgeschäft mitgearbeitet. Ihre Mutter sagte: „Arbeit ist immer etwas wert, deshalb möchte ich Euch für Eure Zeit ein angemessenes Geld geben.“ Es war es ein Spaß, aber die Wertschätzung hat mir sehr gefallen. Es ist schön zu geben, wenn alle zusammenhelfen.

 

Und das erste Gehalt? 

Habe ich während meines Studiums in London bekommen. Ich habe alles Mögliche ausprobiert, von Gastro über Retail, Flugblattaustragen bis zu Security und Facilitymanagement und mich so neben dem Studium über Wasser gehalten. Ich habe recht sparsam gelebt. In Ausnahmefällen wurde trotzdem auf den Putz gehauen.

 

Was macht heute Ihren Erwerb aus? 

Ich fände es großartig, wenn auf meinem Grabstein mal steht.
Katharina Mörz-Heissenberger, Unternehmerin & Realitätenbesitzerin. Dieser Hinweis „Realitätenbesitzer“ ist zwar ein veralteter Begriff, aber er war immer ein Zeichen, eines mit viel Fleiß und Arbeit erworbenen Wohlstandes. Ich weiß nicht, ob meine paar Immobilien den letzten Punkt jemals rechtfertigen, weil mein Hang zu schönen, eher wenig lukrativen Immobilien, trägt nicht gerade dazu bei. Momentan rechnen sie sich noch nicht, aber ich habe Freude daran und ich arbeite daran, dass sie in Zukunft auch etwas einbringen. Ein wenig Einkommen durch Vermögen ist ein gutes Zubrot, zu meinem täglichen Business mit Naturstein. Das macht die Arbeit unbeschwerter und die Verantwortung, die ich trage, wird leichter.

 

Wann war klar, dass Sie den Betrieb übernehmen? 

Ich bin gleich nach der Matura von zuhause weg: Ein Jahr lang war ich in der Schweiz, danach vier Jahre in London, wo ich an der Bartlett Architektur studiert habe. Meine Sommermonate habe ich immer in Spitzen-Architekturbüros verbracht. So bin ich das erste Mal für etwas bezahlt worden, was ich richtig gerne gemacht habe und was mich auch weitergebracht hat. Außerdem hatten wir eine richtige Gaudi. Für mich war klar, dass ich das nach dem Studium in London weitermachen will.
Die Liebe hat mich wieder in meine Heimat gebracht und im Sommer 2002 sagte meine Mutter, dass sie es schön fände, wenn ich meinem Vater für einen Sommer im Betrieb helfen könnte. Daraus sind inzwischen 20 Jahre geworden. 

 

Wann haben Sie sich zuletzt etwas gegönnt? 

Ich habe mir heuer zum Geburtstag einen 997er, das ist ein Porsche 911 aus dem Jahre 2008, in Schiefergraumetallic gekauft. Das ist für mich ein Symbol der Vollkommenheit und Schönheit, aber auch des Exzesses, und irgendwie ist es trotzdem vernünftig, weil gebraucht und im Wert stabil, also eigentlich eh wieder etwas sehr Anständiges. Das Ding macht mir viel Freude und es ist dieses bisserl Unvernunft, die mir taugt.

 

Was haben Sie in Ihrer bisherigen Karriere gelernt? 

Ich glaube, ich habe intuitiv viel richtig gemacht und mich immer so weit vorgewagt, wie es gegangen ist. Als sich meine Eltern 2008 getrennt haben war ich 30. Ich habe, für damalige Verhältnisse, massive Verbindlichkeiten aufgenommen, um Teile unseres Unternehmens und der Betriebsliegenschaften zu kaufen. In dieser Zeit wäre es sicher schlau gewesen, richtig groß in Immobilien zu investieren. Ich hatte Angst, dass alles flöten geht. Mir stand das Wasser bis zum Hals. Ich denke, es war richtig sich auf den Grundsatz „Return before Investment“ zu konzentrieren und den Kopf nicht zu verlieren. 

 

Sie sprechen gerne über Finanzielles und sind damit eher eine Ausnahme.

Ich spreche offen über meine Investmentfehler aber auch gute Investments behalte ich nicht für mich. Es ist total schön, wenn man darüber begeistert reden kann wie über Essen oder Urlaub. Unsere Schulbildung ist so einseitig. Wir lernen kaum etwas über Geld. Dabei wäre das mindestens genauso wichtig wie Mathe, Deutsch und Englisch.

Braucht man für ein Qualitätsgefühl, für Wertschätzung von besonderem Material beispielsweise, einen monetären Polster?

Ich habe drei Schwestern. Meine jüngste Schwester ist eine grandiose Fotografin. Sie und auch viele ihrer Freunde schaffen es immer wieder mit wenig Budget tolle Dinge zu erschaffen. Wenn wir ein bisschen unseren Kopf einschalten und Dinge anders denken, ist vieles möglich. Die Architektin Nicole Lam zum Beispiel, arbeitet in ihren Projekten viel mit Naturstein-Restposten. Was sie daraus macht, ist einfach großartig. Es braucht also eher mehr Zeit und Bewusstsein als Geld um etwas Besonderes zu schaffen.

 

Sie scheinen im Firmenbuch auch unter „Dozen“ und „Stonemade“ auf.
Was ist was?

In der DOZEN GmbH finden sich jene Immobilien, die auch Gewinn bringen. Es ist eine Holding, die auch die Hauptanteile an der MÖRZ NATURSTEIN GmbH besitzt. Ein sehr schönes sauberes System, denn ich zahle ja gerne in Österreich meine Steuern, auch wenn sie hoch sind.
STONEMADE GmbH ist unser Baby und momentan noch ein weniger lukratives Hobby, aber mit enormem Potential: Steingeschirr, das ursprünglich als Give away für Kunden und Freunde gedacht war.

 

Worin legen Sie Ihr Geld am liebsten an?

Bei Stein bin ich echt sattelfest. Da habe ich kaum Hemmungen richtig große Summen zu investieren. Wir investieren jedes Jahr mehr als zwei Millionen Euro in Stein. Verglichen damit sind die anderen Ausgaben vernachlässigbar.
Vor drei Jahren habe ich mir ein Grundstück an der Strada Costiera zwischen Duino und Triest gekauft. Das war eines der bisher verrücktesten aber auch schönsten Investments für mich. Es ist ein Naturparadies, mit Wildschweinen, Rehen, Olivenbäumen und jede Menge Steintreppen und Steinmauern. Ein Urwald, direkt am Meer. Mit eigenem Steg, wo vielleicht alle paar Wochen mal jemand vorbeischwimmt.

 

Setzen Sie auch auf Aktien?

Die Börse fasziniert mich schon seit meinen 20ern. Anfänglich habe ich echt viel verloren. Für meine Kinder habe ich vor ein paar Jahren je einen Bitcoin gekauft. Den bekommen die beiden, wenn sie 18 sind. Gold mag ich auch gerne.
Für jedes meiner vier Taufkinder lege ich je einen Einfachdukaten pro Jahr zur Seite. Diese Münzsammlung werde ich ihnen überreichen, wenn sie 18 sind. Vielleicht lege ich dann für alle vier noch einen Krügerrand drauf. Hängt davon ab, ob ich die nicht selbst brauche.

 

Welcher Stein ist eine Wertanlage?

Definitiv Edelsteine. Aber da kenne ich mich (noch) nicht so gut aus. Die Steine der Baubranche sind nur etwas wert, wenn Nachfrage besteht. Um sie gewinnbringend zu verkaufen, braucht man gute Ware, gute Leute und den richtigen Kunden – am besten zwei, die sich um einen Stein streiten. In Carrara duellieren sich die Chinesen mit den Arabern um den schönsten Statuario Block. Der geht dann mit einem Aufschlag von 1000 Prozent über den Ladentisch.

 

Woher beziehen Sie Ihre Steine?

Inzwischen vorwiegend Europa. Durch die enorm gestiegenen Frachtkosten hat der asiatische Markt an Bedeutung verloren. Den Fokus auf Lokales finde ich grundsätzlich sehr gut, andererseits habe ich meine indischen Lieferanten und deren schöne Steine über die letzten 20 Jahre so ins Herz geschlossen. Momentan liegt der Fokus eher am Mittelmeerraum, der Türkei, Nordafrika, Portugal, Spanien und Italien.

 

Wie haben Sie die Pandemie erlebt?

Ich habe schon vor Covid aufgehört in der Weltgeschichte herumzufliegen, weil es einfach nicht mehr nötig war. Von 2002 bis 2012 haben wir fast alle Steine, die wir bestellt haben, persönlich übernommen. Es hat mehr als zehn Jahre gedauert, alle unsere Lieferanten zu besuchen und ihnen beizubringen, worauf wir Wert legen. Ich war jeden Monat eine Woche im Ausland und bin auf einige tausend Flugmeilen gekommen. Das war super anstrengend aber total abenteuerlich.
Durch Corona waren keine Fachmessen und die Transportkosten aus Asien sind explodiert. 2020 haben wir noch 2.000 Euro für 20 Fuß Container aus Krishnapatnam bezahlt. Aktuell liegen wir bei fast 10.000 Euro. Das stellt die ganze Steinwelt auf den Kopf.

Interview Die Presse 11/2021
by Juliane Fischer.

Katharina Mörz-Heissenberger ist Unternehmerin.
Ihre Grazer Gesellschaft war früher ein klassisches Steinmetzunternehmen und
ist seit der Jahrtausendwende auf den Natursteinimport spezialisiert.
Momentan hat die studierte Architektin und Steinmetzmeisterin
etwa 60.000 Quadratmeter Stein auf Lager.

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