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Nothing
but white

Bei Autos ist sie nicht selten die teuerste Farbe im Programm, in der Tierwelt gelten weiße Exemplare als besonders auffällig und selten. Weiß ist das Gegenteil von Schwarz, weshalb Coco Chanel 1931 nach dem kleinen Schwarzen, das lange Weiße kreierte.

Kein Zufall, denn Weiß war die Farbe der frühen dreißiger Jahre. Innenarchitekten fingen an, weiße Räume zu gestalten, Wände weiß zu lackieren, Möbelstücke in weißen Satin zu wickeln und mit weißen Schnittblumen zu dekorieren. Modefotografien von damals zeigen weiße Roben, inszeniert in prunkvollen Räumen, auf gepolsterten Stühlen und vor schweren Vorhängen. Für Architekturlegende Le Corbusier (eigentlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris) war der subtile Umgang mit Weiß eine der wichtigsten Säulen seiner Arbeit. Die Farbgebung eines Gebäudes war ebenso wichtig wie Grundriss und Form.

 

Ganz nüchtern und rein physikalisch betrachtet, ist Weiß nicht mehr und nicht weniger als die Summe aller energetisch gleichwertigen Farben. Es trägt alle Farben in sich und bleibt selbst doch eine Nicht-Farbe. Weiß ist vergänglich, ständig davon bedroht verschmutzt zu werden und sich in der Mischung mit anderen Farben aufzulösen. Für den polnischen Filmemacher Krzysztof Kieślowski war Weiß einen ganzen Film wert. Er widmete sich der schönsten aller Nichtfarben im zweiten Film seiner Trilogie und sah in ihr nicht nur die Farbe der Liebe und der Gleichheit, sondern auch die der Kälte Polens.

Weiß ist die Farbe
der Ruhe und Unendlichkeit.
Wenn man sie nur lässt.

Weiß lässt viel Interpretationsspielraum, nicht umsonst war sie für den amerikanischen Maler Robert Ryman Anfang der Sechziger Jahre sein „Medium“, weil ihn die Nichtfarbe am wenigsten beim Bildermachen störte. Weiß wurde für ihn zu jener Farbe, die am differenziertesten „sichtbar macht“, weil sie am meisten „mit Licht zu tun“ hat, mit „Weichheit, Härte, Spiegelung und Bewegung“. Ihre Symbolik der Reinheit, Leere und Transzendenz hingegen interessierte Ryman wenig. Ganz im Gegensatz zum japanischen Grafikdesigner Kenya Hara. In seinem Buch „Weiß“ taucht er tief in die japanische Kultur ein und teilt seine Gedanken über Leere, Stille und Schlichtheit. Für Hara ist sie die Farbe des Kaizen, eines Zustandes des Noch-nicht-Seins, ein erstes Anzeichen, eine Möglichkeit und Chance. Nicht umsonst sieht er in der Reinheit eines weißen Blatt Papiers den Impulsgeber für kulturelle Entwicklung.

 

Auf welcher Art und Weise man sich Weiß auch immer nähern mag, man kann sich seiner faszinierenden Wirkung nicht entziehen. Absolut und puristisch, bleibt Weiß die Farbe der unendlichen Möglichkeiten. Schön wie ein Hochplateau nach Neuschnee. Dezent, harmonisch und in aller Unaufgeregtheit so unfassbar aufregend. Weiß gibt den Ton an. In Kunst, Kultur, in der Natur und damit auch im Stein. Makellos, klar und ganz ohne Schnickschnack.

 

 

Steinteller / Steinschüssel
von
Stonemade.com

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